Google Glass im Kino: US-Amerikaner wird Stunden lang von Bundesbeamten verhört

Ein Kino in Ohio, USA, am letzten Samstag. Ein 35-jähriger Mann(*) sieht sich mit seiner Frau zusammen einen Film an. Der Mann trägt Google Glass, wie eigentlich immer, seit er sich darin Linsen in seiner Sehstärke hat einsetzen lassen. Ungefähr eine Stunde nach Beginn des Filmes tritt ein Mann an seinen Sitz und zeigt ihm eine Dienstmarke. Der Beamte bittet den Mann eindringlich, ihn nach draußen zu begleiten, wo ihn bereits weitere Beamte erwarten. Außerdem werden ihm seine Brille und ein paar andere Gegenstände abgenommen.

Danach wird der Mann etwa zwei Stunden lang verhört, von zwei Mitarbeitern des DHS (Department of Homeland Security). Diese werfen ihm vor, mit seiner Datenbrille illegal eine Kopie des Films aufgezeichnet zu haben. Der Mann versichert ihnen, er habe nichts aufgezeichnet, die Brille wäre ausgeschaltet gewesen, damit er den Film ungestört genießen könne. Erst nachdem die Beamten Zugang zu den privaten Daten des Mannes bekamen und sich davon überzeugen konnten, dass er keine Aufzeichnungen gemacht hatte, ließen sie ihn und seine Frau schließlich wieder gehen. Als „Entschuldigung“ erhielt das Paar vier Kinokarten.

Ein weiteres Mal sorgt Google Glass für Probleme, aufgrund der Möglichkeit, jederzeit etwas aufzuzeichnen. So verständlich man das Vorgehen des Kinobetreibers möglicherweise zuerst finden mag, der Fall ist durchaus problematisch. Musste man den Mann wirklich vor aller Augen so aus dem Kino „entführen“? War das folgende Verhör angemessen, der Verdacht berechtigt? War es ok, den Mann erst gehen zu lassen, nachdem er ihnen (freiwillig) Zugriff auf seinen privaten Daten ließ? Für mich als Brillenträger am Schwerwiegendsten: Durfte man ihm seine Brille wegnehmen?

Eigentlich hat der Mann nichts verkehrt gemacht. Es ist nicht verboten, Google Glass in Kinos zu tragen. Der Mann trug seine Datenbrille auch nicht zum ersten Mal in diesem Kino. Bei vorherigen Anlässen gab es nie Probleme. Er benutzte seine Datenbrille aus Gewohnheit wie eine ganz normale Brille.

Mit seinen eigenen Worten:

I realize it’s stupid to have a device with a camera pointed at the screen. But I didn’t even think of it, because I don’t use Google Glass to record other people.

Es war ihm gar nicht bewusst, dass er vielleicht einen Fehler machen würde. Er hatte seinen Umgang mit dem Gerät schon gefunden und Kopien von Filmen zu erstellen, gehörte nicht dazu; auch wenn das Gerät diese Möglichkeit theoretisch bieten mag. Das Tragen des Gerätes war für ihn normal.

Das Verhalten des Kinobetreibers und der Beamten vom DHS erscheint angesichts dessen unverhältnismäßig. Einer fehlsichtigen Person ihre Brille zu entwenden, ist ein schwerwiegender Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte und daher keinesfalls eine legitime Option „auf Verdacht“. Da hängt die gesellschaftliche Debatte der Realität hinterher. Wir müssen reden!

(*)Er will nicht namentlich genannt werden.

Quellen:

AMC movie theater calls “federal agents” to arrest a Google Glass user
Google Glass wearer interrogated, removed from Easton movie theater
Google Glass: US-Zoll holt Brillenträger wegen Piraterieverdacht aus Kino

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