Section 42: Save the Timeline Party am 6. Mai in Berlin

Weil diese Realität teilweise garstiger und grotesker zu werden scheint, haben wir uns bei Sektion 42 entschieden unsere Abenteuer und Einblicke in fremde Realitäten der Öffentlichkeit zugänglicher zu machen. Daher freuen wir uns darauf, euch in der Bar Chausseestraße 131 am Montag, den 6. Mai in Berlin um 21 Uhr zu treffen.

Unsere Operatives/Hosts freuen sich darauf ihre Geschichten und Einblicke aus Welten jenseits der großen Leere die das Multiversum verbindet:

Elle Nerdinger: Gründerin, Gestalterin und Public Speakerin, Cyborgs e. V.

Enno Park: Publizist, Public Speaker, Cyborg, Philosophie und Informatik, Cyborgs e. V.

SolTight: Gründer, Sound Artist und DJ, Mastermind von Psycho Keller

Wir freuen uns darauf, diesen Abend in einer der feinsten Partylocations Berlin ankündigen zu können. Macht euch bereit für multidimensionale Disco-Extravaganza und dimensionsübergreifender Loungeigkeit. Wir wollen unsere Gäste dazu inspirieren, mit einem konstruktiven, awsome Groove in die Welt hinauszugehen und großartig zu sein.

Hier könnt ihr euch beim Facebook-Event dazu weiter informieren.

„Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will“

Was ist eigentlich ein Cyborg und was ist kybernetisches Denken? Wo stehen wir heute mit Human Enhancement? Unter welchen Umständen ist die Cyborg-Idee totalitär oder emanzipatorisch? Und was hat es eigentlich mit Posthumanismus und Transhumanismus auf sich? Aufzeichnung des Vortrages „Die Zukunft des Körpers“ von Enno Park im Dresdner-Hygiene-Museum.

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Ringvorlesung „Reale Utopien“ im Hygiene-Museum Dresden

Technik und Wissenschaft sollen unser Leben besser und einfacher machen. Von ihnen wird erwartet, unsere Gesellschaft zu revolutionieren – und tatsächlich ist die Menschheitsgeschichte auch eine Geschichte der Entdeckungen und Erfindungen, die den Alltag grundlegend verändert und Wohlstand ermöglicht oder vergrößert haben. 

Der damit einhergehende Gewinn kommt aber nicht allen gleichermaßen zu Gute: Die einen sind als Arbeiter:innen vor allem an der Produktion und Verbreitung neuer Entwicklungen beteiligt, von denen die anderen als Konsument:innen profitieren. Dieses Ungleichgewicht führt global und lokal zu sozialen Spannungen. Die Ringvorlesung fragt nach und zeigt bisher wenig bekannte und genutzte Möglichkeiten auf, Erfindungsgeist weltweit und vor Ort für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen: Wie sehen die Initiativen aus, die das Gemeinwohl und den technisch-naturwissenschaftlichen Wandel zu neuen zukunftsfähigen Ideen verknüpfen wollen? Welche Rolle kann die Privatwirtschaft in diesem Prozess übernehmen, welche die Verbraucher:innen, welche NGOs und Wissenschaftler:innen?

Der Cyborgs e.V. gestaltet drei Vortragsabende. Den Anfang macht Enno Park mit einem Vortrag zum Thema „Die Zukunft des Körpers“ am 2. April. Am 14. Mai folgen Susanna Hertrich und Jan Claas van Treeck über „Die Zukunft der Kunst“ und schließlich „Die Zukunft der Chancengleichheit“ von Elle Nerdinger am 25. Juni. Der Eintritt ist frei.

Details und das ganze Programm finden sich auf der Webseite des DHMD.

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26.03.2019 Vortrag: Wie funktioniert eigentlich ein Cochlea-Implantat?

Die meisten Menschen kennen Cochlea-Implantate, aber die wenigsten wissen, wie diese elektronische Hörprothese funktioniert, worin sie sich von einem Hörgerät unterscheidet und was sie kann und was nicht. Vortrag von Enno Park mit anschließender Diskussion.

Termin:
Dienstag, 26. März 2019 um 19:00 Uhr
xHain hack-makerspace
Grünberger Str. 14
Berlin-Friedrichshain

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26.02.19 Talk: Hear how you like to hear

Peggy Sylopp

Peggy Sylopp stellt einen (noch nicht abschließend entwickelten) Prototypen für Self-Fitting von Hörgeräte-Algorithmen vor. Das modulare Open-Source-System erlaubt eine frei modifzierbare Echtzeit-Soundverarbeitung auf Raspberry Pi, basierend auf openMHA. Eine Gruppe am Fraunhofer IDMT baut sechs Prototypen, mit denen sie in Alltagsumgebungen mit interessierten Beta-Tester*innen Self-Fitting Daten sammelt, die dann wissenschaftlich ausgewertet werden.

Wen das neugierig macht, lädt sie dazu ein, den Prototypen zu testen und/oder das Citizen Science „Hear How You Like To Hear (HHYL2H)“ zu unterstützen, sei es als Entwickler*in, Early Adopter*in oder Power User*in. Wie genau der Prototyp funktioniert und wie ihr euch bei HHYL2H beteiligen könnt, erklärt sie in ihrem Talk.

Termin:
Dienstag, 26. Februar 2019 um 19:00 Uhr
xHain hack-makerspace
Grünberger Str. 14
Berlin-Friedrichshain

https://www.idmt.fraunhofer.de/de/institute/projects-products/projects/liketohear.html
www.peggy-sylopp.net
https://freedigitalterritories.tumblr.com/
https://pegxposts.tumblr.com/
https://womenartathon.wordpress.com/
http://pexlab.space/

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Die frustrierend falsche Berichterstattung zu Implantaten, Prothetik und Wissenschaftsthemen

Brain Implant

Alle paar Tage das gleiche Spiel: Irgend eine Forschungsgruppe macht eine mehr oder weniger bahnbrechende Entdeckung, schreibt ein Paper und veröffentlicht es in einer renommierten Fachzeitschrift. Ist die Meldung sensationell genug, springen Publikumsmedien auf und berichten darüber. Leider in sehr vielen Fällen ohne das Paper verstanden oder überhaupt gelesen zu haben.

Das passiert auch regelmäßig mit „Cyborg-Themen“, wie sehr schön folgende Meldung aus dem Bereich Hirnimplantate illustriert. Forscher:innen der New Yorker Columbia University ist es gelungen, mit einem Implantat zu messen, was im Hörzentrum des Gehirns passiert, wenn Menschen gesprochener Sprache zuhören. Mit Hilfe von Machine Learning schufen sie ein KI-System, dass aus diesen Hirn-Signalen die gehörten Wörter rekonstruiert und wieder hörbar macht.

Das ist eine enorme wissenschaftliche Leistung. Allerdings sollte genau hingesehen werden, was dieses System kann und was nicht. Es kann gehörte Sprache während des Zuhörens aus dem Hörzentrum rekonstruieren. Was wir im Stillen für uns denken, kann das System hingegen nicht entschlüsseln. Das sagen die Forscher:innen in ihrem Paper auch ausdrücklich selbst, und diskutieren ausführlich, ob und wie auch nicht gerade gehörte Sprache aus dem Gehirn rekonstruiert werden könnte. Das Wort „Gedanke“ (thought) kommt im gesamtem Paper kein einziges mal vor.

In Zukunft also. Vielleicht. Aber nicht hier und heute. Kein Gedankenlesen. Doch was schreiben deutsche und internationale Medien?

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Manchmal sind die Artikel schlicht falsch, manchmal haben die Autor:innen völlig korrekt abgeliefert aber Redakteur:innen offenbar den Inhalt des Textes ignoriert und eine Clickbait-Überschrift drübergetackert. Der Verantwortung der Medien wird ein solches Vorgehen jedenfalls nicht gerecht, insbesondere auch, weil der weitaus größte Teil der Leser:innen Überschriften und Schlagzeilen scannt, ohne tiefer hineinzulesen. Eine vernünftige gesellschaftliche Debatte um technischen Fortschritt und seine Folgen für die Gesellschaft wird so unmöglich.

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Warum viele Gehörlose das Cochlea-Implantat ablehnen – Vortrag von Enno Park

Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Cochlea-Implantat verbindet einen Sound-Prozessor mit dem Hörnerv und sorgt so dafür, dass Gehörlose und Schwerhörige wieder hören können. Während viele Menschen glücklich über ihr zurück erlangtes Gehör sind, wird das Implantat von Seiten der Gehörlosen-Community hart kritisiert bis hin zu radikalen Aussagen wie „Genozid an den Gehörlosen“. Was für eine Geschichte steckt dahinter?

Termin: Mittwoch, 04. Oktober, 20.00 Uhr, Lacuna Lab, Paul-Linke-Ufer 44a, Berlin

(Aufgang im Hinterhof, nicht barrierefrei, der Vortrag wird auf Englisch gehalten, falls internationale Gäste anwesend sind)

Überschüssiges Gewebe – Vortrag von Dr. Anna-Katharina Meßmer zum Thema Intimchirurgie

Fotograf: Götz Schleser.

Wenn es um Praktiken der Selbst- und Körpermodifikation geht, wird häufig ausgeblendet, dass es jenseits von Piercings, Tattoos und Implantaten gerade Frauen schon sehr lange ihren Körper aus einer ganzen Reihe von Gründen verändern. Ein Beispiel ist die Intimchirurgie. Dr. Anna-Katharina Meßmer hat darüber das Buch „Überschüssiges Gewebe“ geschrieben und wird im Rahmen dieses Vortrages mehr über Praktiken, Verbreitung und Bewertung von Intimchirurgie erzählen.

Termin: Montag, 18. September, 20.00 Uhr, Lacuna Lab, Paul-Linke-Ufer 44a, Berlin (Aufgang im Hinterhof, nicht barrierefrei)

Vortrag: Cyborg Politics

Auf dem netzpolitischen Abend der Digitalen Gesellschaft erklärt Enno Park in 30 Minuten den Stand der Cyborg-Technik und umreißt knapp, welchen politischen Fragen sich daraus ergeben.

Chip-Implantat am Arbeitsplatz: Mythen und Legenden

Derzeit macht eine Nachricht die Runde, dass eine US-Firma demnächst eine Implant-Party veranstaltet, auf der ihre Mitarbeiter gechipped werden sollen. Die Aufregung darum ist groß. Dass in den betreffenden Meldungen allerlei Mythen verbreitet werden, macht es nicht leichter.

Überwachung

Eine durchgehende Überwachung der Mitarbeiter ist mit diesen Chips nicht möglich. Die Chips können nur aus sehr geringen Distanzen ausgelesen werden. Es ist letztlich egal, ob ich einen individualisierten Zahlencode, eine Keycard oder einen implantierten Chip verwende: In allen Fällen weiß der Arbeitgeber, wann welche Arbeitnehmer das Gebäude betreten oder verlassen. Wer mit diesem Argument implantierte Chips ablehnt, muss also auch individuelle Zahlencodes oder Keycards ablehnen. Insbesondere die meist auf RFID basierenden Keycards, die zumeist von ihren Mitarbeitern im Portemonnaie getragen werden, können unter Umständen auch aus größeren Distanzen ausgelesen werden, ähnlich wie übrigens auch das RFID-Tag, das sich standardmäßig im Personalausweis befindet. Der implantierte Chip ist also für Mitarbeiter, die sich sorgen, auch jenseits der Pforte überwacht zu werden, die sicherere Lösung.

Epicenter

In diversen Artikeln (zum Beispiel hier) wird das Epicenter erwähnt. Dieses sei angeblich ein schwedisches Startup, das seine 150 Mitarbeiter gechipped habe. Das ist leider eine Legende. Bei Epicenter handelt es sich um einen Co-Working-Space. Epicenter hat selbst kaum Mitarbeiter, sondern Freelancer können sich bei Epicenter einen Desk mieten und mit anderen Freelancern co-worken. Es gibt dort kein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis zwischen der Leitung des Coworking-Spaces und denjenigen, die dort arbeiten. Dass man sich dort chippen lassen kann, um dann mit diesem Chip statt einer Keycard das Gebäude zu betreten und andere Dienste zu nutzen, ist ein freiwilliger Service, der von den Nutzern des Epicenter gerne in Anspruch genommen wird. Sich zu wundern, dass Leute das freiwillig tun ist etwa so, als wundere man sich, dass ein Artist im Tattoo-Studio selber auch Tattoos hat.

Auslesen von Gesundheitsdaten

Vielfach wird behauptet, diese Chips könnten vom Arbeitgeber genutzt werden, um Körperfunktionen und Gesundheitsdaten zu überwachen. Das ist bei den uns bekannten, derzeit auf dem Markt erhältlichen Chips nicht der Fall. Trotzdem ist der Einsatz von implantierten Chips nicht unproblematisch:

Freiwilligkeit

Sich ein reiskorngroßes Chip-Implantat spritzen zu lassen, ist weitaus weniger schmerzhaft als das Stechen eines Ohrlochs. Die Implantate werden vom Organismus gut vertragen, dazu gibt es jahrzehntelange Erfahrungen mit dem Chippen von Haustieren. Dennoch muss selbstverständlich respektiert werden, wenn Menschen das nicht wollen. Chip-Implantate für Payment, Identifikation oder Einlasskontrolle könnten ausgesprochen praktisch sein, es müssen aber grundsätzlich alternative Möglichkeiten angeboten werden, etwa eine Keycard für diejenigen, die keinen Chip nutzen möchten – oder im Payment-Bereich das gute alte Bargeld. Das ist natürlich im Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis ein Problem, da hier nicht per se von Freiwilligkeit ausgegangen werden kann. Arbeitgebern kann der Einsatz solcher Technik also nur gestattet werden, wenn sie Alternativen anbieten und nicht davon auszugehen ist, dass diese nur auf dem Papier bestehen und subtiler Druck auf die Arbeitnehmer ausgeübt wird.

Sicherheit

Theoretisch könnten Chip-Implantate die Sicherheit drastisch erhöhen. Es ist schwer sie zu stehlen und sie können – entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt – alles ersetzen, was sich im Portemonnaie findet. Wem schonmal das Portemonnaie gestohlen wurde, kennt den enormen Kosten- und Zeitaufwand, bis alle Karten gesperrt und wieder besorgt sind. Leider hat die Sache einen Haken: Die Chips können mit mittlerem Aufwand gefälscht werden, was einen umfassenden Identitätsdiebstahl ermöglichen würde. Solange es keine hinreichende Fälschungssicherheit für passive RFID- und NFC-Chips gibt, birgt deren flächendeckende Einführung hohe Sicherheitsrisiken, unabhängig von der Frage, ob man sie implantiert oder in der Hosentasche mit sich herumträgt.

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